Pflege Zwischenprüfung

Lernplan — Schritt für Schritt zum Erfolg
Schülerin
Viktoriia
Ausbildung
Pflegefachfrau
Ziel
Note 2 (gut)
Sprache
B1 Deutsch

📊 Fortschritt

2 / 22 abgeschlossen
Nr.ThemaStatusVerständnisWiederholung
1Demenz
2Diabetes Typ 1 und 2
3Anatomie Herz
4Anatomie Lunge
5Anatomie Gehirn
6Blutfluss
7Schädel-Hirn-Trauma
8Rückenmark
9Querschnittlähmung
10Herz-Kreislauf-System
11Verdauungssystem
12Pankreas
13Vitalparameter
14Thrombose + Prophylaxe
15Kontraktur + Prophylaxe
16Dekubitus + Prophylaxe
17Pneumonie + Prophylaxe
18Wunden
19Salutogenese
20Pflegetheorie Orem
21Lazarus Stressmodell
22Carl Rogers

📚 Alle Themen

📝 Mini-Tests

📊 Dein Fortschritt

2 / 22 abgeschlossen
2
Themen fertig
Durchschnitt
Bestes Ergebnis
0
Tests gemacht

Ergebnisse pro Thema

1
Demenz
1
Einfache Erklärung

Demenz ist eine Krankheit im Gehirn. Das Gehirn funktioniert immer schlechter. Die Person vergisst Dinge, kann sich nicht mehr gut orientieren und braucht immer mehr Hilfe. Demenz ist chronisch (= sie bleibt für immer) und progredient (= sie wird immer schlimmer). Die Symptome müssen mindestens 6 Monate bestehen (ICD-10).

FormWie oft?Was passiert?
Alzheimer-Demenzca. 60-70 %Das Gehirn baut langsam ab. Es gibt Eiweiß-Ablagerungen (Amyloid-Plaques). Beginn ist schleichend (= langsam).
Vaskuläre Demenzca. 15-20 %Die Blutgefäße im Gehirn sind kaputt. Das Gehirn bekommt nicht genug Blut. Beginn ist oft plötzlich, Verlauf ist stufenweise (= treppenförmig).
Lewy-Body-Demenzca. 5-15 %Besondere Eiweiß-Körper (Lewy-Bodies) im Gehirn. Optische Halluzinationen + Parkinson-Symptome.
Frontotemporale Demenzca. 5-10 %Der vordere Teil des Gehirns wird kleiner. Die Persönlichkeit verändert sich. Oft vor dem 65. Lebensjahr.
⚠ ACHTUNG — Lewy-Body-Demenz
Keine Neuroleptika geben! Sehr gefährlich! Kann zu schweren Bewegungsstörungen, Bewusstlosigkeit oder Tod führen.

Mischformen (z.B. Alzheimer + vaskulär zusammen) sind sehr häufig.

2
Wichtige Punkte für die Prüfung
  • Demenz ist ein Syndrom (= Gruppe von Symptomen), keine einzelne Krankheit
  • Diagnose: Symptome müssen mindestens 6 Monate bestehen
  • Alzheimer = häufigste Form (60-70 %), schleichender Beginn
  • Vaskuläre Demenz = zweithäufigste Form, Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
  • Es gibt keine Heilung, nur Verlangsamung
  • Bewusstsein ist NICHT getrübt (= die Person ist wach) — das unterscheidet Demenz von Delir
  • Pseudodemenz bei Depression muss ausgeschlossen werden
  • Reversible Ursachen immer ausschließen: Medikamente, Schilddrüse, Vitamin-B12-Mangel, Depression
StadiumMMSE-PunkteWas passiert?
Leicht (Frühstadium)20-26Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, Person versucht Fehler zu verstecken
Mittel10-19Starke Orientierungsprobleme, Hinlauftendenz, Inkontinenz beginnt, braucht viel Hilfe
Schwer (Spätstadium)0-9Kann nicht mehr sprechen, erkennt Familie nicht, braucht komplette Pflege, Bettlägerigkeit
3
Pflege in der Praxis
💬 Kommunikation mit Demenz-Patienten
  • Einfache, kurze Sätze benutzen
  • Von vorne ansprechen, Blickkontakt halten
  • Langsam und deutlich sprechen
  • Nicht korrigieren, nicht streiten
  • Im späten Stadium: Ja/Nein-Fragen stellen
  • Nonverbale Kommunikation nutzen (Gestik, Mimik, Berührung)
💜 Validation nach Naomi Feil
  • Die Gefühle der Person sind echt und wichtig
  • Wir akzeptieren die Realität der Person
  • Wir sagen nicht: „Das stimmt nicht!“
  • Wir sagen: „Sie vermissen Ihre Familie?“ (= Gefühle ansprechen)
  • Techniken: Spiegeln, Wiederholen, Blickkontakt, Berührung
📖 Biografiearbeit
  • Die Lebensgeschichte der Person kennenlernen
  • Einen Biographiebogen ausfüllen (mit Hilfe der Angehörigen)
  • Warum? Um das Verhalten zu verstehen und die Pflege anzupassen
  • Beispiel: Eine Person hortet Essen → vielleicht Kriegserfahrung
🏠 Milieutherapie (= Umgebung anpassen)
  • Farben und Bilder zur Orientierung (z.B. Toiletten-Symbol an der Tür)
  • Große Uhren und Kalender
  • Persönliche Gegenstände im Zimmer
  • Gutes Licht (besonders abends gegen Sundowning)
  • Sichere Rundwege zum Laufen
  • Stolperfallen entfernen
ProblemWas tun?
HinlauftendenzSichere Wege, Ursache suchen (Schmerz? Angst?), KEINE Fixierung als erste Lösung
AggressionRuhig bleiben, Trigger finden, Validation, ruhige Umgebung
Essen verweigernFingerfood anbieten, bunte Teller, gemeinsam essen, Biografie nutzen
Schlafstörungen / SundowningFeste Tagesstruktur, Bewegung am Tag, Lichttherapie, Abendritual
InkontinenzRegelmäßig zur Toilette begleiten, einfache Kleidung, klarer Weg zur Toilette
MMSE Maximum
30 Punkte
Verdacht auf Demenz
< 24 Punkte
Uhrentest
Score 1-6
DemTect Verdacht
< 9 Punkte
4
Prophylaxe / Maßnahmen
💡 Wichtige Zahl
Bis zu 45 % aller Demenz-Fälle könnten theoretisch verhindert oder verzögert werden (Lancet-Kommission).

Risikofaktoren, die man ändern kann:

  • Bluthochdruck (Hypertonie) behandeln
  • Diabetes gut einstellen
  • Regelmäßig bewegen (Aerobic, Spazieren, Schwimmen)
  • Schwerhörigkeit behandeln (Hörgerät!) — größter einzelner Risikofaktor
  • Nicht rauchen
  • Wenig Alkohol trinken
  • Übergewicht vermeiden
  • Soziale Kontakte pflegen
  • Depression behandeln
  • Geistig aktiv bleiben (Lesen, Rätsel, Lernen)

Risikofaktoren, die man NICHT ändern kann:

  • Alter (Risiko verdoppelt sich alle 5 Jahre nach dem 65. Lebensjahr)
  • Genetik (z.B. ApoE4-Gen)
  • Geschlecht (Frauen haben etwas höheres Risiko)
MedikamentWann?Wichtig für die Pflege
Donepezil, Rivastigmin, GalantaminLeichte bis mittlere Alzheimer-DemenzPuls kontrollieren (Bradykardie!), Gewicht beobachten, Übelkeit/Durchfall melden
MemantinMittlere bis schwere Alzheimer-DemenzNierenwerte beobachten, Schwindel/Verwirrtheit melden
Risperidon (nur für BPSD)Nur wenn nichts anderes hilft!Niedrigste Dosis, kürzeste Zeit, erhöhtes Schlaganfall-Risiko!
⚠ Nicht-medikamentöse Maßnahmen = IMMER ERSTE WAHL!
Vor Medikamenten immer: Validation, Biografiearbeit, Milieutherapie, Musiktherapie versuchen.
🔒 Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM)
  • Beispiele: Bettgitter, Fixiergurte, abgeschlossene Türen, sedierende Medikamente
  • Brauchen eine richterliche Genehmigung (Ausnahme: akute Gefahr)
  • Immer zuerst Alternativen versuchen: Niedrigbett, Sensormatte, Sturzmatten, Hüftprotektoren
  • Wenn FEM nötig: mindestens alle 30 Minuten kontrollieren
  • Alles genau dokumentieren
  • Werdenfelser Weg: Ein Modell, das FEM reduzieren will
NBA Module
6 Module
Modul 4 Gewichtung
40 %
Entlastungsbetrag
125 €/Monat
Betreuungsrecht Reform
01.01.2023
5
Typische Prüfungsfragen
📋 Fallsituation

Frau Weber, 79 Jahre, lebt seit 3 Monaten im Pflegeheim. Sie hat eine diagnostizierte Alzheimer-Demenz im mittleren Stadium (MMSE: 14 Punkte). Nachts steht sie oft auf und sagt: „Ich muss nach Hause, meine Kinder warten auf mich.“ Sie wird aggressiv, wenn Pflegekräfte sie zurück ins Bett bringen wollen. Beim Essen verweigert sie oft das Mittagessen. Sie war früher Lehrerin und hat gerne gesungen.

[KB I] · AFB I
1. Beschreiben Sie, in welchem Stadium der Demenz sich Frau Weber befindet. Nennen Sie drei typische Symptome für dieses Stadium.
[KB I] · AFB II
2. Erklären Sie, warum Frau Weber nachts „nach Hause“ will. Planen Sie drei pflegerische Maßnahmen für diese Situation. Begründen Sie Ihre Maßnahmen.
[KB II] · AFB II
3. Frau Weber wird aggressiv bei der Körperpflege. Beschreiben Sie, wie Sie mit ihr kommunizieren. Nutzen Sie das Konzept der Validation nach Naomi Feil.
[KB I] · AFB II
4. Frau Weber verweigert das Mittagessen. Nennen Sie vier pflegerische Maßnahmen. Nutzen Sie dabei Ihr Wissen über Biografiearbeit.
[KB IV] · AFB III
5. Eine Kollegin schlägt vor, Frau Weber nachts mit einem Bettgitter zu sichern. Beurteilen Sie diesen Vorschlag. Welche rechtlichen und ethischen Aspekte müssen Sie beachten?
7
Antworten
1. b) 60-70 %
2. Falsch. Neuroleptika sind bei Lewy-Body-Demenz sehr gefährlich. Sie können schwere Bewegungsstörungen, Bewusstlosigkeit oder Tod verursachen. Wenn unbedingt nötig: nur atypische Neuroleptika (z.B. Quetiapin) in sehr niedriger Dosis.
3. Ich sage NICHT: „Ihr Mann ist tot.“ Stattdessen reagiere ich mit Validation: Ich nehme ihre Gefühle ernst. Ich kann sagen: „Sie denken an Ihren Mann? Erzählen Sie mir von ihm.“ So fühlt sie sich verstanden und respektiert. Ihre Gefühle sind real, auch wenn die Situation nicht stimmt.
4. Drei nicht-medikamentöse Maßnahmen:
  • Validation: Gefühle ernst nehmen, Vertrauen aufbauen, Stress reduzieren
  • Biografiearbeit: Lebensgeschichte nutzen, um Verhalten zu verstehen
  • Milieutherapie: Umgebung anpassen (Orientierungshilfen, Licht, sichere Wege)

Warum vor Medikamenten? Die S3-Leitlinie sagt: Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind immer die erste Wahl. Neuroleptika haben bei alten Menschen viele Nebenwirkungen: erhöhtes Schlaganfall-Risiko, Stürze, Sedierung.

5. Die Tür abschließen ist eine freiheitsentziehende Maßnahme (FEM).
  • Rechtlich: FEM brauchen eine richterliche Genehmigung (§ 1831 BGB). Ohne Genehmigung ist es rechtswidrig.
  • Pflegerisch: Zuerst alle Alternativen versuchen: Ursache suchen, sichere Rundwege, Niedrigbett, Sensormatte.
  • Ethisch: Jeder Mensch hat das Recht auf Bewegungsfreiheit. FEM können zu Stress, Angst, Dekubitus und Kontrakturen führen.
  • Nur als letzter Ausweg, zeitlich begrenzt, alle 30 Minuten kontrollieren und dokumentieren.
1
Mini-Test: Demenz
1. Wie viel Prozent aller Demenzen sind Alzheimer-Demenzen? AFB I
  • a) 30-40 %
  • b) 60-70 %
  • c) 80-90 %
2. Richtig oder Falsch: Bei der Lewy-Body-Demenz darf man Neuroleptika geben, weil sie gut wirken. AFB I
3. Frau Müller hat Demenz und sagt: „Mein Mann kommt gleich.“ Ihr Mann ist seit 10 Jahren tot. Erklären Sie, wie Sie nach dem Konzept der Validation reagieren. AFB II
Ich sage NICHT: „Ihr Mann ist tot.“ Stattdessen reagiere ich mit Validation: Ich nehme ihre Gefühle ernst. Ich kann sagen: „Sie denken an Ihren Mann? Erzählen Sie mir von ihm.“ So fühlt sie sich verstanden und respektiert. Ihre Gefühle sind real, auch wenn die Situation nicht stimmt.
4. Nennen Sie drei nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Demenz und begründen Sie, warum sie vor Medikamenten eingesetzt werden sollen. AFB II
Drei nicht-medikamentöse Maßnahmen: Validation (Gefühle ernst nehmen, Vertrauen aufbauen), Biografiearbeit (Lebensgeschichte nutzen, um Verhalten zu verstehen), Milieutherapie (Umgebung anpassen: Orientierungshilfen, Licht, sichere Wege). Warum vor Medikamenten? Die S3-Leitlinie sagt: Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind immer die erste Wahl. Neuroleptika haben bei alten Menschen viele Nebenwirkungen: erhöhtes Schlaganfall-Risiko, Stürze, Sedierung.
5. Ein Bewohner mit mittelschwerer Demenz läuft nachts durch die Flure. Eine Pflegekraft will die Tür abschließen. Beurteilen Sie diese Maßnahme aus pflegerischer und rechtlicher Sicht. AFB III
Die Tür abschließen ist eine freiheitsentziehende Maßnahme (FEM).
Rechtlich: FEM brauchen eine richterliche Genehmigung (§ 1831 BGB). Ohne Genehmigung ist es rechtswidrig.
Pflegerisch: Zuerst alle Alternativen versuchen: Ursache suchen, sichere Rundwege, Niedrigbett, Sensormatte.
Ethisch: Jeder Mensch hat das Recht auf Bewegungsfreiheit. FEM können zu Stress, Angst, Dekubitus und Kontrakturen führen.
Nur als letzter Ausweg, zeitlich begrenzt, alle 30 Minuten kontrollieren und dokumentieren.
2
Diabetes Typ 1 und 2
1
Einfache Erklärung

Diabetes mellitus ist eine Krankheit, bei der der Blutzucker (= Glukose im Blut) zu hoch ist. Der Körper braucht das Hormon Insulin (kommt aus der Bauchspeicheldrüse / Pankreas), um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Bei Diabetes funktioniert das nicht richtig.

Typ 1Typ 2
Was passiert?Das Immunsystem zerstört die Zellen, die Insulin machen. Gar kein Insulin mehr (= absoluter Insulinmangel).Die Zellen reagieren nicht mehr gut auf Insulin (= Insulinresistenz). Noch Insulin da, aber reicht nicht (= relativer Insulinmangel).
Wie oft?ca. 5-10 %ca. 90-95 %
Wer bekommt es?Meist junge Menschen (< 30 J.)Meist ältere Menschen (> 40 J.), oft übergewichtig
BeginnSchnell (Tage bis Wochen)Langsam (Monate bis Jahre), oft Zufallsbefund
KörpergewichtNormalgewicht oder dünnMeist Übergewicht (Adipositas)
BehandlungSofort Insulin (immer!)Erst Lebensstil, dann Tabletten, dann evtl. Insulin
Ketoazidose-RisikoHochGering
⚠ Metabolisches Syndrom (= „tödliches Quartett“)
Erhöht das Risiko für Typ 2: Bauchfett (abdominelle Adipositas) + Bluthochdruck (Hypertonie) + Schlechte Blutfettwerte (Dyslipidämie) + Gestörter Blutzucker
2
Wichtige Punkte für die Prüfung
📑 Symptome (die „Poly-Trias“)
  • Polyurie (= viel pinkeln) — Zucker kommt über den Urin raus
  • Polydipsie (= viel Durst) — Körper verliert Flüssigkeit
  • Polyphagie (= viel Hunger) — Zellen bekommen keinen Zucker
  • Gewichtsverlust (besonders bei Typ 1)
  • Müdigkeit, schlechte Wundheilung, häufige Infektionen
Was?NormalDiabetes
Nüchtern-Blutzuckerunter 100 mg/dlab 126 mg/dl
HbA1c (8-12 Wochen)unter 5,7 %ab 6,5 %
oGTT (nach 2 Stunden)unter 140 mg/dlab 200 mg/dl
Gelegenheits-BZ + Symptomeab 200 mg/dl
Hypoglykämie
< 70 mg/dl
Schwere Hypo
< 50 mg/dl
Nierenschwelle
180 mg/dl
HbA1c Ziel (NVL)
6,5-8,5 %
1 BE
12 g KH
1 KE
10 g KH
3
Pflege in der Praxis
💉 Blutzucker messen
  • Hände waschen (warm, sauber)
  • Seitlich in die Fingerbeere stechen (dort weniger Schmerz)
  • Finger und Stellen immer wechseln
  • Werte sofort dokumentieren
  • CGM-Systeme (z.B. FreeStyle Libre): Sensor am Arm misst kontinuierlich
💉 Insulininjektion — Schritt für Schritt
  1. Hände desinfizieren
  2. Insulin auf Raumtemperatur bringen (kaltes Insulin schmerzt!)
  3. NPH-Insulin / Mischinsulin: vorsichtig schwenken (20× kippen, NICHT schütteln!)
  4. Dosis einstellen, Funktionskontrolle (2 IE in die Luft)
  5. Subkutan spritzen (= unter die Haut, 45-90° Winkel)
  6. Hautfalte bilden (besonders bei schlanken Patienten)
  7. Insulin spritzen, 10 Sekunden warten vor dem Herausziehen
  8. Nicht massieren!
  9. Nadel nach jedem Gebrauch wechseln
SpritzstelleResorptionWofür?
Bauch (2 cm vom Nabel)Am schnellstenBolusinsulin (Mahlzeiteninsulin)
Oberschenkel (Außenseite)LangsamBasalinsulin (Langzeitinsulin)
Gesäß (oben außen)LangsamBasalinsulin
Oberarm (Außenseite)MittelMischinsulin
⚠ Rotation WICHTIG!
Immer innerhalb einer Region wechseln. Mindestens 2 cm Abstand. Sonst: Lipodystrophie (= Fettgewebe verändert sich, Insulin wirkt nicht mehr richtig)
🦶 Fußpflege bei Diabetes (sehr prüfungsrelevant!)
  • Füße jeden Tag anschauen (auch zwischen den Zehen, Fußsohle mit Spiegel)
  • Füße waschen: max. 3-5 Minuten, Wasser max. 37°C (Thermometer!)
  • Gut abtrocknen, besonders zwischen den Zehen
  • Eincremen mit Harnstoff-Creme, aber NICHT zwischen den Zehen
  • Nägel feilen (nicht schneiden! Keine spitzen Werkzeuge!)
  • Keine Wärmflaschen, keine Heizkissen (Verbrennungsgefahr!)
  • Nicht barfuß laufen
  • Bequeme, weiche, geschlossene Schuhe
  • Bei jeder Verletzung sofort zum Arzt
4
Prophylaxe / Maßnahmen

Hypoglykämie (Unterzuckerung) — BZ unter 70 mg/dl

🚨 Frühsymptome (autonome Symptome)
Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Blässe, Heißhunger, Unruhe
🚨 Warnsymptome (neuroglykopen — Gehirn hat zu wenig Zucker)
Verwirrtheit, Sehstörungen, Sprachstörungen, Aggressivität, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle → LEBENSGEFAHR!
Patient ist wachPatient ist bewusstlos
Sofort 20 g schnelle KH: 4 Traubenzucker-Plättchen ODER 200 ml Saft ODER Cola mit Zucker NICHTS in den Mund geben! (Erstickungsgefahr!)
Nach 15 Minuten BZ nochmal messenStabile Seitenlage
Wenn BZ weiterhin < 70: nochmal schnelle KHNotruf 112
Danach langsame KH essen (Brot)Arzt gibt Glukose 40 % i.v. oder Glukagon

Hyperglykämie — Diabetisches Koma

Ketoazidose (DKA) — Typ 1Hyperosmolares Syndrom (HHS) — Typ 2
BZ> 250 mg/dl> 600 mg/dl (!)
KetonkörperStark erhöhtNormal / leicht erhöht
AtmungKussmaul-Atmung (tief & schnell)Normal / flach
GeruchAzetongeruch (Nagellackentferner)Kein besonderer Geruch
ExsikkoseMäßigSehr schwer
BeginnStunden bis 1-2 TageTage bis Wochen
SterblichkeitGeringerHöher (bis 20 %)

Chronische Komplikationen (Folgeerkrankungen)

👁 Mikroangiopathie (kleine Blutgefäße werden kaputt)
  • Diabetische Retinopathie (Augen) → Erblindung. Pflege: 1×/Jahr zum Augenarzt!
  • Diabetische Nephropathie (Nieren) → Dialyse. Frühzeichen: Mikroalbuminurie
  • Diabetische Neuropathie (Nerven) → Gefühl geht verloren. Patient merkt Verletzungen nicht!
💓 Makroangiopathie (große Blutgefäße werden kaputt)
  • Herzinfarkt (2-4× höheres Risiko)
  • Schlaganfall (2-3× höheres Risiko)
  • pAVK („Schaufensterkrankheit“)
🦶 Diabetisches Fußsyndrom (DFS)
Häufigste Ursache für Amputationen in Deutschland! Neuropathischer Fuß: warm, rosig, trocken, schmerzlos (gefährlich!). Ischämischer Fuß: kalt, blass, Schmerzen, schwache Pulse.
MedikamentWann?Wichtig für die Pflege
MetforminTyp 2, erste WahlLaktatazidose bei Nierenproblemen! Vor Kontrastmittel absetzen!
SulfonylharnstoffeTyp 2Hypoglykämiegefahr! Gewichtszunahme
SGLT2-HemmerTyp 2, gut für Herz & NierenHarnwegsinfekte, Pilzinfektionen
GLP-1-AgonistenTyp 2, subkutane SpritzeÜbelkeit, Gewichtsabnahme, gut für Herz
InsulinTyp 1: immer. Typ 2: wenn Tabletten nicht reichenBZ-Kontrolle, Rotation, Hypo-Risiko
SchemaWas ist das?Für wen?
ICTBasalinsulin 1-2× + Bolusinsulin zu jeder Mahlzeit. Flexibel. BE/KE berechnen.Standard bei Typ 1
CTMischinsulin 2× täglich. Feste Essenszeiten!Ältere Patienten mit festem Tagesablauf
BOTTabletten + 1× BasalinsulinEinstieg in Insulin bei Typ 2
Spritz-Ess-Abstand Normal
15-30 Min
Spritz-Ess-Abstand Analog
0-5 Min
🤒 Sick-Day-Rules (Regeln bei Krankheit)
  • BZ öfter messen (alle 2-4 Stunden)
  • Insulin NIEMALS selbst absetzen (besonders bei Typ 1!)
  • Viel trinken
  • Bei Erbrechen: sofort Arzt rufen
5
Typische Prüfungsfragen
📋 Fallsituation

Herr Schmidt, 68 Jahre, hat Diabetes Typ 2 seit 12 Jahren. Er nimmt Metformin und Glibenclamid. Sein HbA1c ist 8,2 %. Er hat Übergewicht (BMI 32). Beim Verbandwechsel sehen Sie eine kleine Wunde an seiner rechten Fußsohle. Herr Schmidt sagt: „Die tut gar nicht weh, die habe ich gar nicht bemerkt.“ Er hat trockene, rissige Haut an den Füßen.

[KB I] · AFB I
1. Beschreiben Sie, warum Herr Schmidt die Wunde nicht bemerkt hat. Nennen Sie die Komplikation und erklären Sie den Zusammenhang mit Diabetes.
[KB I] · AFB II
2. Herr Schmidts HbA1c ist 8,2 %. Erklären Sie, was der HbA1c-Wert aussagt und begründen Sie, ob dieser Wert akzeptabel ist.
[KB III] · AFB II
3. Herr Schmidt nimmt Glibenclamid. Eines Morgens finden Sie ihn schwitzend und zitternd im Bett. Sein BZ ist 52 mg/dl. Erklären Sie, was passiert ist, und beschreiben Sie Ihre Sofortmaßnahmen.
[KB I] · AFB II
4. Planen Sie die Fußpflege für Herrn Schmidt. Nennen Sie fünf konkrete pflegerische Maßnahmen und begründen Sie jede.
[KB IV] · AFB III
5. Herr Schmidt sagt: „Ich brauche keine Schulung, ich habe seit 12 Jahren Diabetes.“ Beurteilen Sie seine Aussage. Begründen Sie, warum regelmäßige Schulung wichtig ist.
7
Antworten
1. b) ab 126 mg/dl (Nüchtern-Blutzucker im venösen Plasma)
2. b) 12 g Kohlenhydrate. (Hinweis: 1 KE = 10 g Kohlenhydrate. Beide Systeme werden in Deutschland benutzt.)
3. Metformin muss vor der Kontrastmittel-Untersuchung abgesetzt werden (ärztliche Anordnung). Der Grund: Kontrastmittel kann die Nierenfunktion verschlechtern. Wenn die Nieren nicht gut arbeiten und Metformin im Körper bleibt → Laktatazidose (= zu viel Milchsäure im Blut — lebensbedrohlich!).
  • Arzt informieren, dass Patient Metformin nimmt
  • Anordnung zum Absetzen dokumentieren
  • Patienten informieren
  • Nach Untersuchung: Nierenwerte kontrollieren, bevor Metformin wieder gegeben wird
4.
ICTCT
Vorteile1. Flexible Essenszeiten. 2. Bessere BZ-Einstellung möglich.1. Einfacher (nur 2× spritzen). 2. Gut bei festem Tagesablauf.
Geeignet fürTyp-1-Diabetes (Standard), aktive PatientenÄltere, multimorbide Patienten
5. Es liegt wahrscheinlich eine diabetische Ketoazidose (DKA) vor.
  • Hinweise: BZ 380 mg/dl, Übelkeit/Erbrechen, Bauchschmerzen, fruchtiger Atemgeruch (= Azetongeruch)
  • Warum typisch bei Typ 1? Absoluter Insulinmangel → Körper baut Fett ab → Ketonkörper entstehen → metabolische Azidose → Kussmaul-Atmung
  • Bei Typ 2 gibt es noch Restinsulin → Ketoazidose fast nie. Stattdessen: hyperosmolares Syndrom (BZ > 600 mg/dl, schwere Austrocknung)
2
Mini-Test: Diabetes Typ 1 und 2
1. Wie hoch ist der Nüchtern-Blutzucker bei der Diagnose Diabetes mellitus? AFB I
  • a) ab 100 mg/dl
  • b) ab 126 mg/dl
  • c) ab 200 mg/dl
2. Was bedeutet 1 BE (Broteinheit)? AFB I
  • a) 10 g Kohlenhydrate
  • b) 12 g Kohlenhydrate
  • c) 15 g Kohlenhydrate
3. Herr Müller hat Diabetes Typ 2 und bekommt Metformin. Er soll morgen eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel bekommen. Erklären Sie, was Sie als Pflegekraft beachten müssen. AFB II
Metformin muss vor der Kontrastmittel-Untersuchung abgesetzt werden (ärztliche Anordnung). Der Grund: Kontrastmittel kann die Nierenfunktion verschlechtern. Wenn die Nieren nicht gut arbeiten und Metformin im Körper bleibt → Laktatazidose (= zu viel Milchsäure im Blut — lebensbedrohlich!). Arzt informieren, Anordnung dokumentieren, Patienten informieren, nach Untersuchung Nierenwerte kontrollieren bevor Metformin wieder gegeben wird.
4. Vergleichen Sie die ICT und die CT. Nennen Sie je zwei Vorteile und erklären Sie, für welche Patienten das jeweilige Schema geeignet ist. AFB II
ICT: Basalinsulin 1-2× + Bolusinsulin zu jeder Mahlzeit. Vorteile: 1. Flexible Essenszeiten. 2. Bessere BZ-Einstellung möglich. Geeignet für: Typ-1-Diabetes (Standard), aktive Patienten.
CT: Mischinsulin 2× täglich. Vorteile: 1. Einfacher (nur 2× spritzen). 2. Gut bei festem Tagesablauf. Geeignet für: Ältere, multimorbide Patienten.
5. Eine Patientin mit Diabetes Typ 1 kommt mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und einem fruchtigen Atemgeruch ins Krankenhaus. Ihr BZ ist 380 mg/dl. Beurteilen Sie die Situation: Welche Komplikation liegt wahrscheinlich vor und warum ist sie bei Typ 1 typisch? AFB III
Es liegt wahrscheinlich eine diabetische Ketoazidose (DKA) vor.
Hinweise: BZ 380 mg/dl, Übelkeit/Erbrechen, Bauchschmerzen, fruchtiger Atemgeruch (= Azetongeruch).
Warum typisch bei Typ 1? Absoluter Insulinmangel → Körper baut Fett ab → Ketonkörper entstehen → metabolische Azidose → Kussmaul-Atmung.
Bei Typ 2 gibt es noch Restinsulin → Ketoazidose fast nie. Stattdessen: hyperosmolares Syndrom (BZ > 600 mg/dl, schwere Austrocknung).