Demenz ist eine Krankheit im Gehirn. Das Gehirn funktioniert immer schlechter. Die Person vergisst Dinge, kann sich nicht mehr gut orientieren und braucht immer mehr Hilfe. Demenz ist chronisch (= sie bleibt für immer) und progredient (= sie wird immer schlimmer). Die Symptome müssen mindestens 6 Monate bestehen (ICD-10).
Form
Wie oft?
Was passiert?
Alzheimer-Demenz
ca. 60-70 %
Das Gehirn baut langsam ab. Es gibt Eiweiß-Ablagerungen (Amyloid-Plaques). Beginn ist schleichend (= langsam).
Vaskuläre Demenz
ca. 15-20 %
Die Blutgefäße im Gehirn sind kaputt. Das Gehirn bekommt nicht genug Blut. Beginn ist oft plötzlich, Verlauf ist stufenweise (= treppenförmig).
Lewy-Body-Demenz
ca. 5-15 %
Besondere Eiweiß-Körper (Lewy-Bodies) im Gehirn. Optische Halluzinationen + Parkinson-Symptome.
Frontotemporale Demenz
ca. 5-10 %
Der vordere Teil des Gehirns wird kleiner. Die Persönlichkeit verändert sich. Oft vor dem 65. Lebensjahr.
⚠ ACHTUNG — Lewy-Body-Demenz
Keine Neuroleptika geben! Sehr gefährlich! Kann zu schweren Bewegungsstörungen, Bewusstlosigkeit oder Tod führen.
Mischformen (z.B. Alzheimer + vaskulär zusammen) sind sehr häufig.
2
Wichtige Punkte für die Prüfung
Demenz ist ein Syndrom (= Gruppe von Symptomen), keine einzelne Krankheit
Brauchen eine richterliche Genehmigung (Ausnahme: akute Gefahr)
Immer zuerst Alternativen versuchen: Niedrigbett, Sensormatte, Sturzmatten, Hüftprotektoren
Wenn FEM nötig: mindestens alle 30 Minuten kontrollieren
Alles genau dokumentieren
Werdenfelser Weg: Ein Modell, das FEM reduzieren will
NBA Module
6 Module
Modul 4 Gewichtung
40 %
Entlastungsbetrag
125 €/Monat
Betreuungsrecht Reform
01.01.2023
5
Typische Prüfungsfragen
📋 Fallsituation
Frau Weber, 79 Jahre, lebt seit 3 Monaten im Pflegeheim. Sie hat eine diagnostizierte Alzheimer-Demenz im mittleren Stadium (MMSE: 14 Punkte). Nachts steht sie oft auf und sagt: „Ich muss nach Hause, meine Kinder warten auf mich.“ Sie wird aggressiv, wenn Pflegekräfte sie zurück ins Bett bringen wollen. Beim Essen verweigert sie oft das Mittagessen. Sie war früher Lehrerin und hat gerne gesungen.
[KB I] · AFB I
1. Beschreiben Sie, in welchem Stadium der Demenz sich Frau Weber befindet. Nennen Sie drei typische Symptome für dieses Stadium.
[KB I] · AFB II
2. Erklären Sie, warum Frau Weber nachts „nach Hause“ will. Planen Sie drei pflegerische Maßnahmen für diese Situation. Begründen Sie Ihre Maßnahmen.
[KB II] · AFB II
3. Frau Weber wird aggressiv bei der Körperpflege. Beschreiben Sie, wie Sie mit ihr kommunizieren. Nutzen Sie das Konzept der Validation nach Naomi Feil.
[KB I] · AFB II
4. Frau Weber verweigert das Mittagessen. Nennen Sie vier pflegerische Maßnahmen. Nutzen Sie dabei Ihr Wissen über Biografiearbeit.
[KB IV] · AFB III
5. Eine Kollegin schlägt vor, Frau Weber nachts mit einem Bettgitter zu sichern. Beurteilen Sie diesen Vorschlag. Welche rechtlichen und ethischen Aspekte müssen Sie beachten?
7
Antworten
1. b) 60-70 %
2.Falsch. Neuroleptika sind bei Lewy-Body-Demenz sehr gefährlich. Sie können schwere Bewegungsstörungen, Bewusstlosigkeit oder Tod verursachen. Wenn unbedingt nötig: nur atypische Neuroleptika (z.B. Quetiapin) in sehr niedriger Dosis.
3. Ich sage NICHT: „Ihr Mann ist tot.“ Stattdessen reagiere ich mit Validation: Ich nehme ihre Gefühle ernst. Ich kann sagen: „Sie denken an Ihren Mann? Erzählen Sie mir von ihm.“ So fühlt sie sich verstanden und respektiert. Ihre Gefühle sind real, auch wenn die Situation nicht stimmt.
4. Drei nicht-medikamentöse Maßnahmen:
Validation: Gefühle ernst nehmen, Vertrauen aufbauen, Stress reduzieren
Biografiearbeit: Lebensgeschichte nutzen, um Verhalten zu verstehen
Warum vor Medikamenten? Die S3-Leitlinie sagt: Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind immer die erste Wahl. Neuroleptika haben bei alten Menschen viele Nebenwirkungen: erhöhtes Schlaganfall-Risiko, Stürze, Sedierung.
5. Die Tür abschließen ist eine freiheitsentziehende Maßnahme (FEM).
Rechtlich: FEM brauchen eine richterliche Genehmigung (§ 1831 BGB). Ohne Genehmigung ist es rechtswidrig.
Ethisch: Jeder Mensch hat das Recht auf Bewegungsfreiheit. FEM können zu Stress, Angst, Dekubitus und Kontrakturen führen.
Nur als letzter Ausweg, zeitlich begrenzt, alle 30 Minuten kontrollieren und dokumentieren.
1
Mini-Test: Demenz
1. Wie viel Prozent aller Demenzen sind Alzheimer-Demenzen? AFB I
a) 30-40 %
b) 60-70 %
c) 80-90 %
2. Richtig oder Falsch: Bei der Lewy-Body-Demenz darf man Neuroleptika geben, weil sie gut wirken. AFB I
3. Frau Müller hat Demenz und sagt: „Mein Mann kommt gleich.“ Ihr Mann ist seit 10 Jahren tot. Erklären Sie, wie Sie nach dem Konzept der Validation reagieren. AFB II
Ich sage NICHT: „Ihr Mann ist tot.“ Stattdessen reagiere ich mit Validation: Ich nehme ihre Gefühle ernst. Ich kann sagen: „Sie denken an Ihren Mann? Erzählen Sie mir von ihm.“ So fühlt sie sich verstanden und respektiert. Ihre Gefühle sind real, auch wenn die Situation nicht stimmt.
4. Nennen Sie drei nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Demenz und begründen Sie, warum sie vor Medikamenten eingesetzt werden sollen. AFB II
Drei nicht-medikamentöse Maßnahmen: Validation (Gefühle ernst nehmen, Vertrauen aufbauen), Biografiearbeit (Lebensgeschichte nutzen, um Verhalten zu verstehen), Milieutherapie (Umgebung anpassen: Orientierungshilfen, Licht, sichere Wege). Warum vor Medikamenten? Die S3-Leitlinie sagt: Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind immer die erste Wahl. Neuroleptika haben bei alten Menschen viele Nebenwirkungen: erhöhtes Schlaganfall-Risiko, Stürze, Sedierung.
5. Ein Bewohner mit mittelschwerer Demenz läuft nachts durch die Flure. Eine Pflegekraft will die Tür abschließen. Beurteilen Sie diese Maßnahme aus pflegerischer und rechtlicher Sicht. AFB III
Die Tür abschließen ist eine freiheitsentziehende Maßnahme (FEM). Rechtlich: FEM brauchen eine richterliche Genehmigung (§ 1831 BGB). Ohne Genehmigung ist es rechtswidrig. Pflegerisch: Zuerst alle Alternativen versuchen: Ursache suchen, sichere Rundwege, Niedrigbett, Sensormatte. Ethisch: Jeder Mensch hat das Recht auf Bewegungsfreiheit. FEM können zu Stress, Angst, Dekubitus und Kontrakturen führen. Nur als letzter Ausweg, zeitlich begrenzt, alle 30 Minuten kontrollieren und dokumentieren.
Ergebnis: 0/5 richtig
2
Diabetes Typ 1 und 2
1
Einfache Erklärung
Diabetes mellitus ist eine Krankheit, bei der der Blutzucker (= Glukose im Blut) zu hoch ist. Der Körper braucht das Hormon Insulin (kommt aus der Bauchspeicheldrüse / Pankreas), um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Bei Diabetes funktioniert das nicht richtig.
Typ 1
Typ 2
Was passiert?
Das Immunsystem zerstört die Zellen, die Insulin machen. Gar kein Insulin mehr (= absoluter Insulinmangel).
Die Zellen reagieren nicht mehr gut auf Insulin (= Insulinresistenz). Noch Insulin da, aber reicht nicht (= relativer Insulinmangel).
Wie oft?
ca. 5-10 %
ca. 90-95 %
Wer bekommt es?
Meist junge Menschen (< 30 J.)
Meist ältere Menschen (> 40 J.), oft übergewichtig
Beginn
Schnell (Tage bis Wochen)
Langsam (Monate bis Jahre), oft Zufallsbefund
Körpergewicht
Normalgewicht oder dünn
Meist Übergewicht (Adipositas)
Behandlung
Sofort Insulin (immer!)
Erst Lebensstil, dann Tabletten, dann evtl. Insulin
Ketoazidose-Risiko
Hoch
Gering
⚠ Metabolisches Syndrom (= „tödliches Quartett“)
Erhöht das Risiko für Typ 2: Bauchfett (abdominelle Adipositas) + Bluthochdruck (Hypertonie) + Schlechte Blutfettwerte (Dyslipidämie) + Gestörter Blutzucker
2
Wichtige Punkte für die Prüfung
📑 Symptome (die „Poly-Trias“)
Polyurie (= viel pinkeln) — Zucker kommt über den Urin raus
Polydipsie (= viel Durst) — Körper verliert Flüssigkeit
Polyphagie (= viel Hunger) — Zellen bekommen keinen Zucker
💓 Makroangiopathie (große Blutgefäße werden kaputt)
Herzinfarkt (2-4× höheres Risiko)
Schlaganfall (2-3× höheres Risiko)
pAVK („Schaufensterkrankheit“)
🦶 Diabetisches Fußsyndrom (DFS)
Häufigste Ursache für Amputationen in Deutschland! Neuropathischer Fuß: warm, rosig, trocken, schmerzlos (gefährlich!). Ischämischer Fuß: kalt, blass, Schmerzen, schwache Pulse.
Medikament
Wann?
Wichtig für die Pflege
Metformin
Typ 2, erste Wahl
Laktatazidose bei Nierenproblemen! Vor Kontrastmittel absetzen!
Sulfonylharnstoffe
Typ 2
Hypoglykämiegefahr! Gewichtszunahme
SGLT2-Hemmer
Typ 2, gut für Herz & Nieren
Harnwegsinfekte, Pilzinfektionen
GLP-1-Agonisten
Typ 2, subkutane Spritze
Übelkeit, Gewichtsabnahme, gut für Herz
Insulin
Typ 1: immer. Typ 2: wenn Tabletten nicht reichen
BZ-Kontrolle, Rotation, Hypo-Risiko
Schema
Was ist das?
Für wen?
ICT
Basalinsulin 1-2× + Bolusinsulin zu jeder Mahlzeit. Flexibel. BE/KE berechnen.
Standard bei Typ 1
CT
Mischinsulin 2× täglich. Feste Essenszeiten!
Ältere Patienten mit festem Tagesablauf
BOT
Tabletten + 1× Basalinsulin
Einstieg in Insulin bei Typ 2
Spritz-Ess-Abstand Normal
15-30 Min
Spritz-Ess-Abstand Analog
0-5 Min
🤒 Sick-Day-Rules (Regeln bei Krankheit)
BZ öfter messen (alle 2-4 Stunden)
Insulin NIEMALS selbst absetzen (besonders bei Typ 1!)
Viel trinken
Bei Erbrechen: sofort Arzt rufen
5
Typische Prüfungsfragen
📋 Fallsituation
Herr Schmidt, 68 Jahre, hat Diabetes Typ 2 seit 12 Jahren. Er nimmt Metformin und Glibenclamid. Sein HbA1c ist 8,2 %. Er hat Übergewicht (BMI 32). Beim Verbandwechsel sehen Sie eine kleine Wunde an seiner rechten Fußsohle. Herr Schmidt sagt: „Die tut gar nicht weh, die habe ich gar nicht bemerkt.“ Er hat trockene, rissige Haut an den Füßen.
[KB I] · AFB I
1. Beschreiben Sie, warum Herr Schmidt die Wunde nicht bemerkt hat. Nennen Sie die Komplikation und erklären Sie den Zusammenhang mit Diabetes.
[KB I] · AFB II
2. Herr Schmidts HbA1c ist 8,2 %. Erklären Sie, was der HbA1c-Wert aussagt und begründen Sie, ob dieser Wert akzeptabel ist.
[KB III] · AFB II
3. Herr Schmidt nimmt Glibenclamid. Eines Morgens finden Sie ihn schwitzend und zitternd im Bett. Sein BZ ist 52 mg/dl. Erklären Sie, was passiert ist, und beschreiben Sie Ihre Sofortmaßnahmen.
[KB I] · AFB II
4. Planen Sie die Fußpflege für Herrn Schmidt. Nennen Sie fünf konkrete pflegerische Maßnahmen und begründen Sie jede.
[KB IV] · AFB III
5. Herr Schmidt sagt: „Ich brauche keine Schulung, ich habe seit 12 Jahren Diabetes.“ Beurteilen Sie seine Aussage. Begründen Sie, warum regelmäßige Schulung wichtig ist.
7
Antworten
1. b) ab 126 mg/dl (Nüchtern-Blutzucker im venösen Plasma)
2. b) 12 g Kohlenhydrate. (Hinweis: 1 KE = 10 g Kohlenhydrate. Beide Systeme werden in Deutschland benutzt.)
3. Metformin muss vor der Kontrastmittel-Untersuchung abgesetzt werden (ärztliche Anordnung). Der Grund: Kontrastmittel kann die Nierenfunktion verschlechtern. Wenn die Nieren nicht gut arbeiten und Metformin im Körper bleibt → Laktatazidose (= zu viel Milchsäure im Blut — lebensbedrohlich!).
Arzt informieren, dass Patient Metformin nimmt
Anordnung zum Absetzen dokumentieren
Patienten informieren
Nach Untersuchung: Nierenwerte kontrollieren, bevor Metformin wieder gegeben wird
Warum typisch bei Typ 1? Absoluter Insulinmangel → Körper baut Fett ab → Ketonkörper entstehen → metabolische Azidose → Kussmaul-Atmung
Bei Typ 2 gibt es noch Restinsulin → Ketoazidose fast nie. Stattdessen: hyperosmolares Syndrom (BZ > 600 mg/dl, schwere Austrocknung)
2
Mini-Test: Diabetes Typ 1 und 2
1. Wie hoch ist der Nüchtern-Blutzucker bei der Diagnose Diabetes mellitus? AFB I
a) ab 100 mg/dl
b) ab 126 mg/dl
c) ab 200 mg/dl
2. Was bedeutet 1 BE (Broteinheit)? AFB I
a) 10 g Kohlenhydrate
b) 12 g Kohlenhydrate
c) 15 g Kohlenhydrate
3. Herr Müller hat Diabetes Typ 2 und bekommt Metformin. Er soll morgen eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel bekommen. Erklären Sie, was Sie als Pflegekraft beachten müssen. AFB II
Metformin muss vor der Kontrastmittel-Untersuchung abgesetzt werden (ärztliche Anordnung). Der Grund: Kontrastmittel kann die Nierenfunktion verschlechtern. Wenn die Nieren nicht gut arbeiten und Metformin im Körper bleibt → Laktatazidose (= zu viel Milchsäure im Blut — lebensbedrohlich!). Arzt informieren, Anordnung dokumentieren, Patienten informieren, nach Untersuchung Nierenwerte kontrollieren bevor Metformin wieder gegeben wird.
4. Vergleichen Sie die ICT und die CT. Nennen Sie je zwei Vorteile und erklären Sie, für welche Patienten das jeweilige Schema geeignet ist. AFB II
5. Eine Patientin mit Diabetes Typ 1 kommt mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und einem fruchtigen Atemgeruch ins Krankenhaus. Ihr BZ ist 380 mg/dl. Beurteilen Sie die Situation: Welche Komplikation liegt wahrscheinlich vor und warum ist sie bei Typ 1 typisch? AFB III
Es liegt wahrscheinlich eine diabetische Ketoazidose (DKA) vor. Hinweise: BZ 380 mg/dl, Übelkeit/Erbrechen, Bauchschmerzen, fruchtiger Atemgeruch (= Azetongeruch). Warum typisch bei Typ 1? Absoluter Insulinmangel → Körper baut Fett ab → Ketonkörper entstehen → metabolische Azidose → Kussmaul-Atmung. Bei Typ 2 gibt es noch Restinsulin → Ketoazidose fast nie. Stattdessen: hyperosmolares Syndrom (BZ > 600 mg/dl, schwere Austrocknung).